„Digital rein, analog raus: Willkommen im deutschen Behördenwahnsinn!“
Es fing so gut an: ein Genehmigungsverfahren bei einem Bundesamt habe ich komplett digital gestartet: Personalausweis gezückt, AusweisApp geöffnet, PIN eingegeben, Handy an den Ausweis gehalten, Identität bestätigt. Kein Formular im Dreifachdurchschlag, keine Warteschlange, kein Gang zum Amt. Ich dachte ernsthaft: Jetzt ist es so weit, Deutschland ist im 21. Jahrhundert angekommen.
Dann kam die Post. Wörtlich, denn es war ein Brief. Ich habe es erst für einen verspäteten Aprilscherz gehalten:

Das Bundesamt freut sich, dass ich die digitale Antragstellung im Bundesportal genutzt habe. Leider werden aber gerade „die technischen Systeme angepasst und umgestellt“, weshalb es nicht möglich sei, mir Schreiben und Bescheide digital über das Bundesportal bekannt zu geben. Künftig bekomme ich alles auf dem Postweg. Man bedankt sich für mein Verständnis.
Ich lese das Schreiben mehrfach, weil ich glaube, ich hätte etwas übersehen. Hatte ich nicht. Es steht wirklich da: Wegen der Digitalisierung kann die Digitalisierung gerade nicht genutzt werden.
Das ist, als würde ich mein Auto zur Reparatur bringen und als Leihwagen ein Pferdegespann bekommen. „Leider ist die Werkstatt gerade auf Elektromobilität umgestellt, daher bitten wir um Ihr Verständnis. Der Hafer steht im Kofferraum.“
Dabei will ich gar nicht über die Umstellung meckern. Systeme müssen angepasst werden, das weiß jeder, der schon mal ein Update installiert hat. Warum gibt es kein Parallelsystem, welches während des Updates übernimmt? Ausgerechnet der Zustellweg, der doch das ganze Versprechen der Digitalisierung ausmacht, wird als Erstes abgeschaltet. Das Digitale ist offenbar der Schönwetter-Modus der Verwaltung: Solange alles läuft, ist alles modern. Sobald es ernst wird, rettet man sich zurück zu Papier, Briefmarke und Briefkasten.
Und wohin geht der Brief? An die Adresse, die ich im Antrag angegeben habe. Immerhin, die Daten haben es also durch das Portal geschafft. Nur zurück zu mir finden sie auf demselben Weg nicht mehr.

