Nach 3 Tagen und 540 Kilometern habe ich den Timmendorfer Strand erreicht.
Reisen

Mal ne Radtour machen…

Sportlich bin ich ja vor allem Läufer. Radfahren mag ich nur in der entspannten Version, keinesfalls würde ich bei Radrennen starten. Beim Triathlon ist das Radfahren auch eher notwendiges Übel – da geht’s schon manchmal hart zur Sache.

Aber für eine schöne Radtour bin ich immer zu haben. Was ich jetzt zum ersten Mal gemacht habe: Mehrere Tage mit Gepäck unterwegs sein. Also mehrere Tage viel auf dem Rad sitzen, im Hotel übernachten, und dann weiter fahren. Ich wollte es mal ausprobieren, idealerweise hier in Deutschland. Für den Fall, dass ich während der Tour merke, dass es nichts für mich ist, ist der Ausstieg deutlich einfacher, als zum Beispiel irgendwo im Ausland.

Gemütliches zweites Frühstück in der Nähe von Petershagen. Ungefähr die Hälfte der Gesamtstrecke hatte ich hinter mir.

Es ging mir darum, mögliche Fehler bei Planung und Durchführung herauszufinden, und Abläufe zu verbessern. Denn mein Ziel ist, bei meinem nächsten Aufenthalt in Andalusien dort direkt nach dem Ausstieg aus dem Flieger mit einem guten Mietrad eine mehrtägige Tour durchs Sierra Nevada Gebirge zu starten.

Insgesamt war die erste Radtour erfolgreich: Gewählt hatte ich eine Strecke bis zum Timmendorfer Strand, etwas über 500 Kilometer, auf drei Tage verteilt. Bei der Rückfahrt habe ich eine Soft-Variante gewählt: Eine Teilstrecke mit dem Zug, dann noch mal 130 Kilometer mit dem Rad, und den Rest als Beifahrer im Auto meines Sohnes, der in der Nähe war, und mich aufgabeln konnte.

Erstes Learning: 200 Kilometer pro Tag sind für mich für eine mehrtägige Tour definitiv zu viel! Mit meinem Mountainbike schaffe ich mit Gepäck 20 Kilometer pro Stunde, wenn es gut läuft. Plus Pausen für Trinken, Supermarkt usw. ist das ganz schön viel Zeit, wenn man mehrere Tage fahren will. Kurz: Mein Limit sind 150 Kilometer, in Spanien werden es höchstens 100 sein. Ich will ja auch das Gefühl von Urlaub haben. Es geht ja um Spaß nicht um Kilometer fressen.

Zweites Learning: GPS Tracks sind ja super. Aber es schadet nicht, sich vor der Tour mal die Strecke auf der Karte anzusehen, und die größeren Städte auf der Strecke zu merken. Stichwort „digitale Abhängigkeit“ – könnte ja mal sein, dass die Uhr ausfällt.

Die Elbe bei Marschacht. Mit dem Rad die Landschaft genießen macht mir sehr viel Spaß.

Da wäre ich schon beim dritten Learning: Mein Sportuhr kann prima nach einer hochgeladenen Strecke navigieren. Aber wehe man kommt von der Tour ab. Mal eben neu navigieren, dafür ist die Uhr nicht ausgelegt. Also: Beim nächsten Mal ist ein eigenes Fahrrad Navi mit an Bord.

Die restlichen Learnings sind Kleinigkeiten: Ich würde trotz geplanter Hotelübernachtungen immer Besteck mitnehmen. An einem Ort hatte das Hotel kein Restaurantbetrieb, und abends hatte ich echt Hunger. Also noch eben schnell zum Supermarkt. Ok, dann hatte ich was zu essen auf dem Zimmer, bekam aber so ohne weiteres den Kartoffelsalat nicht aus der Dose. Details verschweige ich jetzt, aber die Nahrungsaufnahme sah nicht so appetitlich aus.

Meine Unterkunft am Timmendorfer Strand: Eine „Tiny House“ mit großem Bett, kleine Sitzecke. Sehr ruhig gelegen. Vor der Rückfahrt gab es als Belohnung einen Ruhetag mit Rumhängen am Strand 😎

Auch wenn mein Rad super durchgehalten hat: vor der Tour sollte man das Fahrrad besser durchchecken. Mich hat z.B. die ganze Zeit ein quietschendes Tretlager begleitet, das war auf Dauer etwas nervig.

Geplant habe ich meine Strecke über radroutenplaner-deutschland.de. Funktioniert auch prima, allerdings war die Seite (Stand 05.26) manchmal offline, bzw. die API nicht erreichbar. Mein Tipp: rechtzeitig planen, am besten mit tatsächlichen Zielort im Detail. Wenn man nur Gesamtstrecke plant und als GPX herunterlädt, fehlt die Abbiegung zur Unterkunft. Wenn man dann zu weit fährt, kann das schon ein paar Mehrkilometer ausmachen, was nach 10 Stunden auf dem Rad irgendwie blöd ist…

Fazit: Meine erste Radtour wird nicht meine letzte gewesen sein!